Montag, 19. März 2007

Du hättest auch taub-stumm sein können

Mit dieser Erkenntnis konfrontierte mich meine Oma und erklärte mir, dass 4 von 12 Geschwistern ihrer Mama an dieser Krankheit litten. Im Gespräch stellte sich heraus, dass drei Kinder auf die Taub-Stummenschule in Weimar gingen. Obwohl die Familie kaum Geld hatte und neben den Schulgebühren alle gut gekleidet sein mussten, genossen Emma, Wilhelm und Oscar zu Beginn des 20 Jahrhunderts eine gute Ausbildung. Wilhelm ist Tischler geworden und war spezialisiert auf Treppenbau. Oscar hat Schuster gelernt und Emma arbeitete als Porzellanmalerin. Erna -die Vierte- ist in den Wald gegangen und war im Forst beschäftigt. Ich war erstaunt, dass bereits vor 100 Jahren Taubstumme in dieser Form gefördert wurden und so in die Gesellschaft integriert waren. Als meine Oma von damals erzählte, wirkte es so viel einfacher sich zu entscheiden, was man arbeiten wollte. Es gab eine brauchbare Berufsauswahl und das Handwerk dominierte. Die menschliche Fertigkeit, etwas mit den Händen zu erschaffen war gefragt. Die Zeit schien überschaubarer. Zum Schluss erklärte mir meine Oma, dass ich wahrscheinlich keine Angst haben müsste, dass sich diese Krankheit auf meine Kinder übertragen könnte. Der Grund der Taubstummheit ihrer Tanten und Onkels lag wohl eher in der medizinischen Rückständigkeit der damaligen Zeit begründet.